What If?

18.12.2022

Es hätte seine letzte große Aufgabe im Profisport werden sollen. Sein "Herzensprojekt". Unter seiner Regie sollte der FC Schalke 04 wieder in altem Glanz erstrahlen. Die Rede ist selbstverständlich von Ralf Rangnick. Ende 2022 kann man festhalten, dass weder Ralf Rangnick seine letzte große Aufgabe bei Schalke 04 angetreten ist, noch der FC Schalke 04 in altem Glanz erstrahlt ist. Zumindest sportlich gesehen. In unserem neuen Format "What If" wollen wir ein Blick darauf werfen, wie Schalke unter Rangnicks Führung heute vermutlich aufgestellt wäre und damit auch aufzeigen, was in diesem Verein alles möglich wäre. 

Um sich der Situation besser zu verstehen, starten wir mit einem Blick in die Vergangenheit. Anfang 2021 steht Schalke, mal wieder, vor einem Scherbenhaufen. Abstieg in Liga zwei. Fünf Trainer in einer Saison. Für das kommende Jahr in Liga Zwei weder Geld noch einen konkurrenzfähigen  Kader. Es gibt wohl bessere Aussichten. Doch genau dieser Situation nimmt sich Ralf Rangnick an. Finanzielle Rahmenbedingungen des Projekts sind durch Unterstützer aus der Politik und Wirtschaft ausgehandelt. Der eigentliche Wunschkandidat des Schalker Aufsichtsrats, Markus Krösche, sagte den Verantwortlichen für den Job als Sportlicher Leiter ab. Mit dem Blick aus heutiger Sicht kann man wohl festhalten, dass keine besseren Voraussetzungen gegeben hätte, um Rangnick für den Job zu verpflichten. Jens Buchta, der ironischerweise wenige Monate später von seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender zurücktritt, hat es trotzdem geschafft, dies zu verhindern. Den offenen Interpretationsspielraum, warum er das gemacht hat, überlassen wir jedem selber. In unserem "What If" Szenario passiert aber genau das nicht. Rangnick tritt zur neuen Saison seinen Job an und wir schauen jetzt, welche Veränderungen es dort gegeben hätte. Wir wollen uns dabei vor allem auf sportliche Aspekte fokussieren.

Wie in jedem Projekt, dass Rangnick betreut, bekommt er die Entscheidungsgewalt über die sportlichen Geschicke des Vereins. Mit dieser wird sich auf Schalke alles ändern. Rangnicks wichtigsten Richtlinien sind dabei die "drei K's". Konzept, Kompetenz und Kapital. Beginnen wir dort mit dem Konzept. Laut Rangnick braucht jeder Verein eine Identität. Diese schafft Rangnick in seinem Konzept über die Entwicklung der eigenen Jugendspieler aus der Schalker Knappenschmiede. Doch Rangnick entwickelt nicht nur Spieler, sondern auch Trainer. Auf Schalke würden wir heute von "Konzepttrainern" sprechen, die alle unter der von Rangnick implizierten Idee von Fußball arbeiten und sich entwickeln würden (wer sich mit der taktischen Idee genauer befassen will, darf sich gerne das Kapitel über Rangnick in unserem Großprojekt "Joga Bonito" durchlesen). Schalke wird sich taktisch nicht mehr über "malochen" und "kämpfen" identifizieren, sondern ab Amtsantritt Rangnicks einen Umschaltfußball spielen, der einen offensiven Pressingansatz verfolgt. Dafür wird sich auf Schalke auch hinter den Kulissen einiges verändern. Fangen wir dort mit der Scoutingabteilung des Vereins an. Rangnick braucht für sein Konzept die maximale sportliche Kompetenz. Wir würden auf Schalke heute von einer mindestens doppelt so großen Scoutingabteilung sprechen. Zum Vergleich: RB Leipzig beschäftigt aktuell zehn Verantwortliche Scouts. Schalke, mit fünf, die Hälfte. Diese suchen global nach Spielern, die in ein gewisses Schema passen. Jung und Entwicklungsfähig. Rangnick spricht in der Umsetzung seines Konzepts bei der Datenanalyse von der "Zukunft des Fußballs", um Spieler noch Leistungsfähiger zu machen. Auch dort hat Schalke seit Jahren Nachholbedarf. Hier geht es vor allem um Datenauswertungen zu den einzelnen Spielen und Tracking während des Trainings für das medizinische Personal. Schalke hätte also heute ein weitaus modernes Scouting und Datenanalyse Zentrum, mit einer viel größeren Mitarbeiteranzahl. Ein großer Unterschied zum jetzigen Schalke wäre, dass Mitarbeiter einzig und allein wegen ihrer Kompetenz eingestellt werden und nicht, weil sie entweder Bekannte oder sportliche Verdienste im Verein haben. Es gilt unter Rangnick eben das Leistungsprinzip. Aus diesem Grund wäre der Trainer in der 2. Liga auch nicht Dimitrios Grammozis gewesen, sondern Rangnick selbst hätte für eine Saison übernommen. Um seine Art von Fußball spielen zu lassen, hätte Rangnick den Kader vollständig umgekrempelt. Zur neuen Saison hätten die Spieler nicht Latza, Terodde, Kaminski oder Drexler gehießen. Der Altersdurchschnitt der Mannschaft hätte wohl unter 24 gelegen. Zum Vergleich: Der Altersdurchschnitt der Leipziger Aufstiegsmannschaft lag bei 23,39. Bei der Schalker Aufstiegsmannschaft war er bei 25,23. Hier geht es nicht nur um die Umsetzung des fußballerischen Ansatzes, sondern auch um eine Kaderwertsteigerung. Terodde und Latza lassen sich eben nicht so gut entwickeln und mit Gewinn verkaufen, wie die Nkunku's der Zukunft. Denn auch daraus setzt sich der letzte Punkte in Rangicks drei K Prinzip zusammen. Dem Kapital. 

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